Nicolai und Sohn – Whisky im Erfurter Zughafen

Am Anfang war die Idee

Seit Jahren hat Thomas Nicolai eine Vision. „Wenn ich Rentner bin, brenn‘ ich meinen eigenen Whisky“. Thomas, einer der beiden Gründer, Künstler, Bildhauer, Schriftsteller und vor allem Erfurter lebt mit seinem Sohn Leopold nun seinen Traum. Für Vater und Sohn ist Whisky eben weniger ein Getränk, als ein ganzer Lebensstil.

Ich habe die beiden in ihrer derzeit entstehenden Whiskybrennerei im Erfurter Kulturquartier „Zughafen“ besucht und konnte mich selbst davon überzeugen, wie sehr die beiden für ihren Whisky brennen. 😉

Thomas und Sohn Leopold am Malzwerk

Der Geschmack Thüringens in jeder einzelnen Flasche

Leo, der derzeit sein Anglistik-Studium beendet, hat lange Zeit in England und Wales verbracht. Hier hat er natürlich nicht nur fleißig studiert, sondern auch einige sehr gute Whiskys „direkt von der Quelle“ genossen. Nach und nach reiften die Idee und die Schritte zur Umsetzung. Eine eigene Manufaktur direkt in Erfurt gründen, im Kopf der beiden Whisky-Liebhaber wurde es schnell Realität. „Warum mit dem Brennen bis zur Rente warten“, fragte sich Thomas, „wenn ich dann vielleicht keine Chance mehr habe, mein eigenes Tröpfchen zu genießen.“

Die jeweilige Landschaft, die den Whisky hervorbringt, und die Kultur der Menschen,
die ihn herstellen und trinken, prägen den Charakter 
ihres Whiskys.

Die beiden gebürtigen Erfurter lieben ihre Heimatstadt und Thüringen über alles. Hier verwurzelt liegt es natürlich nahe, ihrem Getränk nun auch den Geschmack Thüringens einzuhauchen. Mit hochwertigen, regionalen Zutaten und echter Handarbeit möchten sich Nicolai und Sohn deutlich von anderen, großen Brennereien abheben. Das Wasser, Herzstück und Basis des Whiskys, entspringt einer Quelle mitten im Thüringer Wald. Es bahnt sich seinen Weg durch die Landschaft, nimmt dabei die verschiedensten Aromen auf. Diese werden direkt in den Whisky transportiert und sorgen für einen einmaligen Genprint des Getränks. Mit der ausgesuchten Gerste werden viele weitere Aromen ergänzt. In den handverlesenen Fässern reift und charakterisiert sich ihr Whisky dann zu einem wahren Thüringer Single Malt Whisky.

Wie genau der Whisky einmal schmecken soll, verraten die beiden Brenner allerdings noch nicht.

Unser Whisky soll seinen eigenen Charakter entwickeln. Wir wollen dabei bewusst das manipulieren, was wir können. Mit den ausgewählten Zutaten und unserer Hingabe finishen wir unseren Whisky bis zur Perfektion. Wir sind eben die Künstler unter den Whiskybrennern.

Whisky, nicht Whiskey!

Thomas und Leopold brennen ihren Whisky nach schottischem Vorbild. Das (e) macht den Unterschied! Die Tradition nach der gebrannt wird, bestimmt wie der Whisk(e)y bezeichnet wird. Schottische Whiskys werden, im Gegensatz zu den Irish- oder American-Whiskeys, mit gemälzter Gerste statt mit Mais oder anderen Getreidesorten hergestellt. Das macht den Geschmack und den Charakter des Spirits letztlich aus.

Brennprinzip des Schottischen Whiskys

In 6 Schritten zum Whisky

Dass die Herstellung eines hochwertigen Whiskys eine Wissenschaft für sich ist dürfte jedem klar sein. Folgende 6 einfach klingende Produktionsschritte sind bis zum fertigen Getränk notwendig:

  1. Mälzen und Maischen der Geste
  2. Alkoholische Gärung
  3. Brennen (Destillieren)
  4. Fassabfüllung
  5. Reifung im Eichenfass
  6. Flaschenabfüllung

Die Gerste und das Wasser sind seit jeher die elementaren Zutaten für den original schottischen Single Malt Whisky. Nachdem die Gerste in frischen Quellwasser eingeweicht wurde, lässt man sie keimen. Bei der Keimung sorgen Enzyme dafür, dass aus der Stärke im Korn Malz- und Traubenzucker entsteht.

Anschließend wird durch die Trocknung der Gerste der Keimprozess gestoppt. Danach wird die Gerste geschrotet (grist) und in den Maischebottig gefüllt. Das mehrfache überbrühen mit erhitztem Quellwasser sorgt dafür, dass sich der Zucker im Wasser löst. Die Würze wird anschließend zur Abtötung von Keimen noch einmal auf ca. 80 Grad erhitzt. Nach der Abkühlung auf unter 25 Grad wird die Lösung in die Gärbottige (sog. wash backs) gefüllt und nach Zugabe von speziellen Hefen zur Gärung gebracht. Der in der Lösung enthaltene Zucker wird so teilweise in Alkohol vergärt. Die Gärbrühe (wash) hat dann einen Alkoholgehalt von ca. 6-10% und wird auch als beer bezeichnet. Bis hierhin ähnelt der Prozess tatsächlich dem des Bierbrauens. Es fehlt nur die Hinzugabe von Hopfen.

Der ‚wash‘ wird dann in den Brennblasen, den sog. pot stills aus Kupfer destilliert. Der erste Rohbrand (low wines) wird darauf hin noch einmal in die Brennblase gefüllt und erneut destilliert. Nachdem der Brand durch den Zoll freigegeben und die Höhe der Steuer festgelegt wurde, wird der Feinbrand dann in die vorgeschriebenen Eichenholzfässer abgefüllt. Hier lagert er dann mindestens 3 Jahre und entzieht dem Holz durch additive Reifung wichtige Aromen.

Die Erfurter Brennmeister Thomas und Leopold wollen hier mit verschiedenen Eichenholzfässern experimentieren. Je nachdem, in was für einem Fass der Whisky lagert (z.B. Sherryfass, Portwein, o.ä.) erhält er sein spezielles und einzigartiges Aroma. Um den Geschmack allerdings nicht nur von einem Fass abhängig zu machen, kann der Whisky im Finish auch noch nach mehreren Jahren in andere Fässer umgefüllt werden. Auf Trinkstärke verdünnt, kann der Whisky dann in Flaschen abgefüllt werden. Je länger die Reifung in den Fässern stattfindet, desto aromatischer und hochwertiger wird auch das Getränk.

Urbane Erlebnisbrennerei
Nicolai und Sohn beGINnen schon bald mit dem Brennen im Erfurter Zughafen.

Dass es alles andere als einfach ist seinen persönlichen Traum zu verwirklichen, wissen wir alle spätestens seit der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“. Ohne ein ausreichendes Anfangskapital nützt die beste Idee und das tollste Konzept nichts. Die beiden Erfurter setzen von Anfang an auf eine große Beteiligung ihrer Community. Durch ein Crowdfunding über Visionbakery sind innerhalb kürzester Zeit viele Unterstützer, Anhänger, Fans und Multiplikatoren gefunden worden. „Da ist Musik drin!“ und sollte nun auch weiteren Investoren und Banken zeigen, dass Erfurt eine eigene Whiskybrennerei braucht. Immerhin müssen rund 300-400 tausend Euro für das Gesamtvorhaben aufgebracht werden. Ich drücke den beiden Whisky-Enthusiasten auf jeden Fall die Daumen, dass sie noch weitere Geldgeber für ihr Vorhaben gewinnen können.

Ihr alle könnt die beiden unterstützen, in dem ihr euch noch bis 15.05.2018 eure erste eigene Kostprobe sichert und die beiden unterstützt. Hier geht’s zur VisionBakery.

Zur Querfinanzierung ihrer Vision und zur Überbrückung der Wartezeit, bis endlich der erste Whisky abgefüllt werden kann, werden Thomas und Leo neben dem White Dog (Rohwhisky ohne Reifung) auch London Dry Gin herstellen und vertreiben. Gemeinsam mit den Bartendern des Kalif Storch wird ein Gin entwickelt, der den Lifestyle am Zughafen wiederspiegelt. Durch meine Unterstützung beim Crowdfunding konnte ich mir bereits jetzt eine der ersten Flaschen sichern und werde euch natürlich darüber berichten, sobald ich sie in den Händen halte.

Whiskybrenner Nicolai und Sohn mit Fass

Im Frühherbst diesen Jahres wird es soweit sein. Nicolai & Sohn nehmen den Brennbetrieb im Erfurter Zughafen auf. Mit verschiedenen Happenings wie Veranstaltungen, Lesungen, Filmeabende, Brennereiführungen, Ausstellungen und vielem mehr werden sich die Nicolai & Sohn dann als Erlebnis- und Kulturbrennerei einen Namen in Thüringen und darüber hinaus machen.

Ich werde die Entwicklung weiter verfolgen und wünsche viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer wahnsinnig tollen Ideen und Visionen.

Besucht sie doch mal auf ihrer Facebook-Seite und lasst ein Like da.


Zur Website von Nicolai & Sohn

Cheers – oder besser Slàinte Mhath!

(c) Fotos: Nicolai & Sohn

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